Im Harz trägt die Liebe Wanderschuhe.
Woher kommt diese gewagte Behauptung? Und können wir sie bestätigen?
Aber ja, das können wir, denn wir sind den Liebesbankweg entlanggewandert.
Nach der freitäglichen Anreise begaben wir uns am Samstag auf den Premiumwanderweg bei Hahnenklee. Nicht nur wird die verliebte Gedichtzeile aus dem 12. Jahrhundert "Du bist min, ich bin din" dem Wanderweg als Motto vorangestellt, man entdeckt auch unterwegs liebevoll geschnitzte Holzbänke, deren Lehnen mit romantischen Motiven verziert sind. Von Bank zu Bank erwandert man so die verschiedenen Stationen des Liebes- und Ehelebens, stets passend in Holz umgesetzt. Es war berührend und herzerquickend, wie glücklich und zugewandt sich die Paare unserer Gruppe auf den Bänken niederließen, um einen Augenblick an die gemeinsam verbrachten Jahre zu denken. Waren etwa diejenigen, die auf der rubinverzierten Bank Platz nahmen, wirklich schon 40 Jahre verheiratet?
Außer den 25 verschieden gestalteten Bänken, die den circa 7 Kilometer langen Weg säumten, gab es noch viele weitere, interessante Stationen. Die Quelle der Liebe, die Geh-Dicht-Steine und die Partnerschaukel behielten die gemeinsamkeitsbetonte Stimmung, aber auch der Wasserspielplatz erfreute die Abenteurerseele und spornte unsere Wasseringenieure zu Höchstleistungen an. Unsere Wanderstempelsammler konnten unterwegs einige besonders hübsche Herzstempel in ihrem Wanderpass verewigen.
Klare, spiegelglatte Seen, sprudelnde Bächlein und nur wenige abgestorbene Bäume im relativ grünen Wald sorgten dafür, dass bereits nach kurzer Zeit knapp 100 Fotos aus der wunderschönen Natur in unserer WhatsAppgruppe eintrudelten. Ihr könnt sie in der Galerie anschauen.
Ein Abstecher auf den Bocksberg durfte auch nicht fehlen. Zwischen Gastronomiebetrieben und dem umfangreichen Angebot an Fahrgeschäften, wie Drachenblitz, Tubingbahn, Sommerrodelbahn, Skywalk und Gokarts, verteilten wir uns kurz ganz nach Neigung, Hunger und Adrenalintoleranz.
Wir bewunderten die über hundertjährige Stabkirche in Hahnenklee, staunten über einen fast zahmen Fuchs und begutachteten skeptisch die "krass wilden" Wildschweinspuren, die auffällig weit bis in den Ort reichten.
Sehr interessant war auch der Besuch im Café, wo man ganz leise bestellt, und sehr lustig der Abend im Maaßener Gaipel in Lautenthal, wo man aufgeklappte Calzone essen kann.
Insgesamt sind wir, je nach Kilometer-Tracking-System, ungefähr 15 oder 16 Kilometer gewandert. Weil es so schön war, hatten wir noch eine größere Schleife an den Liebesbankweg angehängt.
Nach dem Samstag im Grünen erwartete uns am Sonntag ein tiefergelegter Programmpunkt: Wir besuchten das Bergbaumuseum Lautenthals Glück. Unserem gutgelaunten Grubenguide gelang es, 800 Jahre Bergbaugeschichte in anderthalb Stunden unterhaltsam und informativ unterzubringen. Wir lernten Erstaunliches über die Markscheidekunst (vor 350 Jahren konnten die Markscheider, frühe Vermessungstechniker, mit einigen Holz- und Messinginstrumenten unterirdische Stollen weitaus präziser aufeinander zulaufen und sich treffen lassen als heutzutage Ingenieure mit modernsten Instrumenten) und über die Arbeitsbedingungen, Absicherungen, die Vor- und Nachteile des Bergleutelebens. Für den Praxisanteil fuhren wir mit der Grubenbahn unter Tage, eine rüttelige Angelegenheit, tasteten uns durch die Stollen und zogen mit Armmuskelkraft ein Erzschiff (und uns selbst) durch einen unterirdischen Kanal.
Und kaum wieder zurück an der Oberfläche, noch blinzelnd im hellen Sonnenlicht, mussten wir uns schon wieder verabschieden.
Für die großartige Organisation, die Wegführung über den umwerfend schönen Liebesbankweg, das Planen der gemeinsamen gemütlichen Essen und der erlebnisreichen Führung durchs Bergbaumuseum bedanken wir uns ganz besonders herzlich bei den Organisatoren Horst und Bernhard und bei allen, die geholfen haben. Danke auch an alle, die durch ihre gute Laune diese Reise zu so einem schönen Erlebnis haben werden lassen.
Wer jetzt neugierig geworden ist: schaut mal in die Galerie.